Max Giesinger

Schon Kafka sagte einst: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ Für Max Giesinger war dies zunächst ein klassischer Musiker-Werdegang: Während viele Eltern ihre Kinder in die örtliche Musikschule schleifen, musste seine Mutti ihn vielmehr Ermahnen, die Gitarre auch mal wieder aus der Hand zu nehmen und sich den Hausaufgaben zu widmen.

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Max Giesinger

Max Giesinger denkt, hinterfragt, bleibt nicht stehen, will weiter kommen. Schon mit seinem ersten Album „Laufen lernen“ hat er gezeigt, dass in ihm ein Songwriter von hoher und eigenständiger Qualität steckt. Aber es braucht eben seine Zeit, um zu finden, was das 'Eigene' überhaupt ist. Gerade, wenn man einen Umweg genommen hat. Sicher war seine Erfahrung, die er als Finalist bei „The Voice of Germany“ sammelte, eine wichtige – und wenn  auch  nur, „um  herauszufinden,  welchen  Weg  in  dieser  Branche  ich  auf  keinen  Fallgehen  möchte“,  wie  er  nachdenklich  berichtet.  Nach  der  großen  TV-Hysterie  folgte  nicht  die  große  Ernüchterung.  Sondern  vielmehr  ein „Jetzt  erst  Recht“-Gefühl.  Mit seinem  Debüt-Album„Laufen  lernen“ setzte Max ganz auf die postmoderne Version des DIY-Gedankens – und finanzierte das Album via Crowdfunding. Genau wie das Debüt trägt auch sein zweites Album einen programmatischen Titel – „Der Junge, der rennt“.

 

Denn Max Giesinger läuft gern weite Strecken, um zu einem Punkt zu kommen, der ihn zufrieden stellt. Das war schon immer so, kaum dass er das kleine Dorf Busenbach in der Nähe von Karlsruhe verlassen hatte, in dem  er  aufwuchs.  Nach  dem  Abi  zog  es  ihn  für  ein  halbes  Jahr  nach Australien,  wo  er  sich  seinen Lebensunterhalt als Straßenmusiker verdiente. Und es wird auch jetzt wieder unmittelbar klar, wenn er den Weg zu den Songs seines zweiten Albums beschreibt: „Ich habe mich vor einem Jahr hingesetzt und wieder angefangen, Lieder zu schreiben. Ich hatte schon 15 neue Songs am Start, bis ich in einer Session mit einem Kollegen 'Roulette' schrieb. Ich war total geflasht von dem Song und wusste dann in welche Richtung mein Album gehen soll, die restlichen Songs verwarf ich wieder."

 

Es klingt erstaunlich, einfach so viele Songs zu entsorgen, doch wenn man sich die nun vorliegenden anhört, versteht man warum. Manche der erzählten Geschichten sind höchst persönlich, andere hat er aus seinem Freundeskreis  adaptiert  und  zu  seinen  eigenen  gemacht.  Betrachten  wir „80  Millionen“:  Da  ist  einer,  der seinen  Ursprung  in  einem  kleinen  Dorf  hat,  aber  ständig  unterwegs ist.  Er  erlebt  dadurch  nicht  nur  viel, sondern  ihm  wird  ebenso  die  unfassbare  Größe  dieser  Welt  bewusst  und  wie  häufig  der  Zufall,  den  viele auch als Schicksal beschreiben, entscheidend ist. „Always on the run“ – diese Person ist in einer Achterbahn aus  Rastlosigkeit  und  Gefühlen  gefangen.  Umso  deutlicher  stechen  besondere  Momente  heraus,  in  denen man auf einmal ganz klar denken kann und dabei ganz ungeplant den richtigen Menschen findet: die eine Person,  die  einen  glücklich  macht,  in  dieser  unfassbar  großen  Welt.  Diese  Tatsache  feiert  der  Song „80 Millionen“. Von einer schönen Flucht erzählt „Ins Blaue“ – ein Duett mit der Deutschen Künstlerin Elif –wo ein Paar ganz einfach mal für einen Tag dem Alltagsstress entkommen möchte. All das entstand zu großen Zügen  an  der  Ostsee,  wo  sich  Max  für  zwei  Wochen  mit  dem  Produzenten  Jens  Schneider  in  einem Rentnerdorf einschloss, um fokussiert an dem Album zu arbeiten. Abgeschottet und kaum unter Menschen, war das Highlight des Tages, wenn der Hausmeister vorbei kam, um den Müll mitzunehmen.

 

Um  aus  seiner  Komfortzone  auszubrechen,  verließ  Max  rund  um  die  Produktion  der  Platte  auch  seine  süddeutsche Heimat und zog in den Norden, nach Hamburg, wo er nun mitten auf der Reeperbahn wohnt, wasdas Album ebenso geprägt hat. „Der Junge, der rennt“ ist damit nicht unbedingt das Album des An-, aberdes  Weiterkommens.  Es  ist  damit  eine intime  und  intensive  Momentaufnahme  eines  Künstlers,  der  bereits mit dem zweiten Album sehr viel mehr über sich weiß und versteht, als viele Kollegen, die auch beim vierten

Album noch genau so klingen wie auf ihrem Debüt. Man wird darauf einen Mittzwanziger entdecken, der mit großer  Freude  seine  gefundene  künstlerische  Stimme  ausformuliert  und  in  Songs  kleidet,  die  in  ihrer dynamischen Vielschichtigkeit berühren, mitreißen und auch mal für einen Moment nachdenklich stimmen. „Ich liebe es, viel unterwegs zu sein und kann eigentlich auch nicht zu lang an einem Ort bleiben “, sagt Max. Das  Unterwegssein  als  Leitmotiv, immer  in  Bewegung  sein,  bloß  nicht  stagnieren.  Das  ist  genau  das,  was Max Giesinger mit seinem zweiten Album getan hat.

 

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