
10.04.2026
Walking On Rivers: Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction
Flirrende Hitze über Oklahoma City, leere Straßen, ein weiter blauer Himmel. Und irgendwo zwischen AirBnB-Sessions, Autofahrten durch die City, Arcade Games und langen Studio-Tagen entsteht der Grundstein für ein Album, das genau diesen Vibe in sich trägt: Zwischen Zweifel und Aufbruch, Melancholie und Euphorie, Ängsten und Träumen. „Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction“ ist das Debütalbum von Walking On Rivers – und ein Werk, das gleichermaßen Standortbestimmung und Neuanfang ist.
„Wir sind zu Beginn mit viel Ungewissheit, Zweifeln, aber auch Neugier in die Produktion des Albums gegangen“, erzählt die Dortmunder Indie-Band rückblickend. Der Grund: Nach fünf Jahren als Trio entschieden sich David Laudage und Martin Kreuzer nach dem Ausstieg des dritten Bandmitglieds, Walking On Rivers als Duo weiterzuführen – eine Entscheidung, die Mut erforderte und vieles infrage stellte. „Wir wussten zwar, dass wir einige starke Songs hatten – waren uns aber unsicher, ob wir das zu zweit alles schultern können.“
Der dreiwöchige Trip nach Oklahoma City mit Produzent Sven Ludwig (u.a. Fil Bo Riva, OK Kid, The Destruction of the Cult of the Sun) im September 2024 wurde zum entscheidenden Impuls für eine Platte, die persönlicher, direkter und klanglich offener ist als alles zuvor. Einige Songs wie „OK City Sun“ und „Staring at the Ceiling“ entstehen direkt vor Ort, andere nehmen dort erste Gestalt an und werden zurück in Deutschland finalisiert – doch der Einfluss des Trips ist sowohl im Sound als auch in der inhaltlichen Ausrichtung des gesamten Albums spürbar.
Musikalisch knüpft „Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction“ an den catchy Indie-Pop-Sound der EP „Time To Lose Control“ (2021) an – wirkt jedoch „erwachsener, energiegeladener und abwechslungsreicher als früheres Material“. Die Produktion ist stellenweise bewusst roher und reduzierter als früheres Material gehalten. Aus diesem Grund sind beispielsweise auch einzelne Spuren aus Oklahoma – sogar Aufnahmen aus dem AirBnB vor Ort oder Davids Kellerstudio – auf dem Album geblieben, obwohl eine nachträgliche Studioaufnahme sauberer gewesen wäre. „Uns war wichtig, dass der Vibe stimmt und vor allem die Erinnerungen an den Entstehungsprozess und auch der Prozess selbst mit auf den Aufnahmen landen.“ Gleichzeitig zeigt sich die Band in Songs wie dem Titeltrack und „Staring at the Ceiling“ so experimentierfreudig wie nie zuvor, während Tracks wie „Forever Apart“ und „Close My Eyes“ mit einer rohen und zugleich wohligen Intimität überzeugen.
Thematisch verschiebt sich der Fokus ebenfalls. Wo frühere Songs überwiegend gesellschaftskritisch dachten, wird es auf „Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction“ persönlicher. Zwischenmenschliche Nähe rückt ins Zentrum – als Gegenentwurf zu einer digital überreizten Welt. Die Songs suchen nach „echten Connections, Gefühlen und Erlebnissen“ – nach Momenten, die sich nicht durch einen Bildschirm ersetzen lassen.
Doch das Album ist kein melancholischer Rückzug. Tracks wie „Waste the Night“ und „Missing Melodies“ zeigen eine positive, lebensbejahende Seite – es geht ums Feiern, ums Loslassen, um Musik als verbindende Kraft. „Auch live haben sich die beiden Tracks bisher als echte Gute-Laune-Macher herausgestellt.“
Das Herzstück der Platte ist für die Band „OK City Sun“ – gleichzeitig die bis dato erfolgreichste Vorab-Single des Albums mit bereits über 3 Mio. Streams. „Der Track konversiert für uns den gesamten Trip nach Oklahoma sowie das Zurückfinden zu neuem Mut und neuem Selbstvertrauen. Und das ist unfassbar schön. Ohne diesen Track gäbe es das Album vielleicht so nicht.“ Der Song bündelt Unsicherheit und Euphorie, Selbstzweifel und Aufbruch – und steht exemplarisch für die emotionale Spannweite des Albums.
Neben der musikalischen Entwicklung hat sich durch den Album-Prozess auch die private Ebene vertieft. „Zuallererst ist unsere private Freundschaft nochmal extrem gewachsen an diesem Projekt.“ Als Duo liegt nun alles in ihren Händen – und genau das schweißt zusammen. „Wir sind in erster Linie zwei sehr gute Freunde, die das Glück haben, zusätzlich eine gemeinsame Passion ausleben zu dürfen.“
Jetzt, da das Album fertig ist, überwiegen Stolz und Vorfreude: „Wir sind einfach super stolz auf das Ergebnis und froh, dieses neue Kapitel als Band eingeschlagen zu haben. Wir freuen uns krass, die Musik endlich live zu präsentieren und zu schauen, wo uns diese neuen Songs hintragen.“
All das macht „Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction“ zu einem Dokument von Selbstermächtigung – zwischen digitalem Rausch und echter Nähe, zwischen Zweifeln und neuem Selbstvertrauen. Zwei Musiker, die sich entschieden haben weiterzugehen. Und die klingen, als hätten sie genau darin ihre größte Stärke gefunden – bei 100 Grad Fahrenheit in Oklahoma City.