Alice Phoebe Lou
Labelservice

Alice Phoebe Lou

Dadurch dass wir den alltäglichen Trubel gewohnt sind, kann, wenn all der Lärm wegfällt, eine Stille bleiben, die genauso laut ist. Für die in Berlin lebende Alice Phoebe Lou, geboren in Südafrika, bot es die Gelegenheit, ihre tiefsten Gedanken und Emotionen in einem neuen Album, „Glow“, zu artikulieren.

„Ich habe dieses Jahr viel durchgemacht, wie so viele Leute“, sagt Alice. „Ich habe noch nie so viel Zeit allein an einem Ort oder sogar in der Stadt, in der ich lebe, verbracht. Ich rasierte meinen Kopf. Hatte einen Ego-Tod. Ich verliebte mich. Mir wurde das Herz gebrochen. Ich war ein kleines, pures Durcheinander. Und darüber, fing ich an zu scheiben.“ Für Alice lieferte das Album ein Ventil, um „Dampf abzulassen“ und eines, in das sie eine Reihe von Erinnerungen, Gedanken und Erfahrungen schüttete. Zuvor dachte sie, ihre Songs müssten „etwas sagen“, eine tiefgründige Botschaft vermitteln. Die bloße Idee eines Liebeslieds schien abgedroschen oder trivial. „Aber dieses Album floss einfach aus meinem Herzen und Unterbewusstsein und es gab nichts, was die liebestrunkene Natur davon stoppen konnte“, sagt sie. „Manchmal sein Liebe, verlorene Liebe und die Art, wie sie unser Herz berühren, die zugänglichsten Gefühle der Welt.“ Sie würde so ehrlich sein, wie sie es ertragen konnte.

Es gab Momente, in denen sich Alice fragt, ob es zu viel werden könnte. „Glow“ ist ein atemberaubendes Werk, voll von viszeralen, Meteoriten-bestaubten Songs, vorgetragen in schmachtendem Ton vor einer Kulisse aus schmutzigen Gitarren, zuckelnden Bass-Grooves und hypnotischen Piano-Sequenzen. „Ich fühlte mich ziemlich verlegen dabei, Liebeslieder zu schreiben“, erzählt sie. „Aber jetzt mag ich die Idee, dass deine Musik jemandes Freund*in sein kann und ihnen das Gefühl gibt, dass es anderen ähnlich geht,“ Auf „Glow“ erlaubt es Alice sich schließlich selbst, über persönlichere Themen zu schreiben, auf eine sehr rohe Art. „Ich machte mir keine Gedanken darüber, wie das bei anderen Leuten ankommen könnte“, sagt sie. Glücklicherweise spürt diese standhaft unabhängige Künstlerin keinen Druck, sich den Launen einer unbeständigen Industrie zu beugen: „Ich spüre nicht die Dringlichkeit, wie es, glaube ich, viele junge Künstlerinnen tun, als gäbe es da eine Grenze für meine Karriere“, erklärt sie. „Ich lehne dieses Konzept ab und die Art, wie die Musikindustrie es Frauen aufdrückt.“

In Kapstadt als Tochter von Dokumentarfilm-Schaffenden geboren, die ihr Haus mit den Songs von Patti Smith, Cat Power, Portishead und PJ Harvey füllten, fasste Lou leicht Fuß in der Kreativszene. Zu ihren liebsten frühen Erinnerungen gehört wie ihre Mutter jeden Abend Klavier spielte; sie lernte dann neun Jahre lang Tanz in der Schule, reiste mit 16 alleine nach Paris und stieß auf eine Gruppe von Straßen-Künstler*innen, die vor Notre Dame auftraten. Sie zeigten Alice, wie Feuertanz funktionierte: “Performancekunst mit einem Teil Gefahr“. Sie war fasziniert von dieser Lebensweise, Tag für Tag in einer fremden Stadt zu leben. „Diese Leute waren die glücklichsten, großzügigsten Menschen, die ich in meiner Zeit dort traf“, erzählt sie. Sie lebte zwei Monate in Paris, beendete die Schule, bevor sie nach Europa zurückkehrte, um ein Jahr zu reisen.

„Ich brach ohne einen Plan auf, ohne irgendeine Vorstellung davon, was ich tun würde“, erklärt sie. „Ich dachte, ich könnte einfach auf der Straße auftreten und auf diese Art Geld verdienen. Ich verbrachte einen Monat in Brüssel, wo meine Mutter geboren wurde, dann landete ich für etwas zwei Monate in Amsterdam.“ Alice empfand diese Erfahrung härter als in Paris, umgeben von Performer*innen, die hauptsächlich „verbitterte ältere Männer“ waren. Mehr als einmal wurde sie bedroht und musste sich außerdem mit Junggesellen-Abschieden auseinandersetzten, die in Herden aus dem UK einreisten. „Wenn du 18 bist, mit Feuer spielst und für Geld tanzt, sehen dich Leute auf eine gewisse Weise an,“ sagt sie.

Sie reiste weiter nach Berlin, wo sie Probleme hatte, genug Geld zu verdienen, um über die Runde zu kommen, bis sie einen Straßenmusiker aus Algerien traf. Er lud sie ein, vor Publikum mit seiner Gitarre aufzutreten, nachdem Alices Freund ihm erzählt hatte, dass sie gut singen könne. „Es war f***ing furchteinflößend“, erinnert sie sich lachend. Aber sie fand Gefallen daran und spielte neben Covern hin und wieder eigene Songs.

Eine Gruppe junger Israeli, die dem Armeedienst umgingen, stellten ihr die Musik der Fleet Foxes vor; sie bedankte sich, indem sie sie einen Monat lang in ihrer Wohnung schlafen ließ. Ihr jetziger Manager entdeckte sie, als sie auf der Straße spielte und bot an, sie anfangs umsonst zu vertreten, so hingerissen war er von ihrem einzigartigen Sound.

Dieser Sound hat sich exponentiell weiterentwickelt seit diesen frühen Tagen. Alice Phoebe Lous Debütalbum „Orbit“ erschien zu einer Zeit, zu der sie immer noch Zweifel an ihren Fähigkeiten hatte: „Ich kämpfte damit, mich zu entschieden, welchen Sound und welche Richtung ich verfolgen wollte“, sagt sie. Sie gründete eine Band aus Musikern, die sie so „sahen wie ich war.“ In Zusammenarbeit mit dem Grammy-prämierten Produzenten Noah Georgeson (Devandra Banhart, Cate Le Bon, Joanna Newsom) schaffte Alice letztes Jahr „Paper Castles“, ein von Kritiker*innen gefeiertes Album, das für seinen „zeitlosen“ Klang und die wunderschönen Vocals gepriesen wurde. Georgeson schlug vor, in einem Studio in Nordkalifornien aufzunehmen, wobei Alice befürchtet, dass es zu teuer sein würde, „aber der Besitzer war großartig und wünschte sich, dass es von anderen Leuten als alternden Rockstars genutzt wurde.“ Sie und Georgeson verstanden sich auf Anhieb gut und sie ging in der Erfahrung auf, einen Produzenten zu haben, der sie in keine Richtung zu drängen versuchte: „Er will das Album nur aus die herausbringen“, sagt sie. „Und obwohl ich keine gelernte Musikerin bin, bringe ich etwas anderes zur Musik mit. Ich schaffe ein Gefühl und eine Atmosphäre.“

Die darauffolgende Tour zu “Paper Castles“ läutete das geschäftigste Jahr in Alice Phoebe Lous Leben ein. Sie spielte mehr als 100 Shows als Solokünstlerin und weitere mit einer anderen Band. „Es war verrückt, aber ich hatte auch das Glück, dass 2020 das Jahr sein sollte, in dem ich ein neues Album mache würde“, sagt sie. Sie kennt viele andere Musiker*innen, deren Karrieren dieses Jahr wegen Tourabsagen aus der Bahn geworfen wurden: „Ich bin ein glücklicher Mother***er.“ Sie schaffte es, sich Zeit zu nehmen, um Anfang des Jahres ihr eigenes Festival zuhause in Südafrika zu organisieren. „Es ist wirklich wichtig, die lokale Musikszene zu unterstützen und aufzubauen“, erzählt sie. „Es gibt nicht genug Unterstützung für Künstler*innen und es gibt immer noch viele racial issues – die Leute, die Zugang zu Musik haben sind generell privilegierte und weiß.“

Als die Zeit kam, an „Glow“ zu arbeiten, erhielt Alice Phoebe Lou ein Musikstipendium aus Kanada und sollte dorthin reisen, um mit David Parry aufzunehmen, Mitglied der der Folk-Pop-Band Loving aus British Columbia. Natürlich brachte die Pandemie diese Pläne zum Scheitern und Alice fing stattdessen an, ein Studio in Dresden zu suchen. Glücklicherweise fand sich in letzter Minute ein Ort und sie arbeitete dort an „Glow“ zusammen mit Parry, ihrem Bassisten Daklis und ihrem Langzeit-Kollaborateur Ziv Yamin (Drums + Keys). Parry steuerte auch diese herrlichen Gitarrenklänge bei, nach denen sich in Alices Augen die Songs „sehnten“. „Ich hätte mir keine inspirierenden Leute wünschen können, um dieses Album zu schaffen“, sagt sie. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich in das Aufnehmen auf Band verliebt und um diesen warmen, aber körnigen Sound zu stützen, sammelte Parry Jahrzehnte alte Mics und Ausrüstung im Studio.

Die meisten Lieder handeln von Liebe; Ergüsse intensiven Fühlens. „Ich merkte, dass ich statt Leute zum Denken zu bringen, sie einfach fühlen lassen wollte“, erklärt Alice. Einige Songs zeigen einen neuen Schreibstil, bei dem sie die Musik spielte und einfach sang, was ihr zuerst einfiel. „Manchmal ist es fast peinlich, wie verletzlich ich bin”, sagt sie. Trotzdem ist da nichts Peinliches bei Songs wie der neuen Single „dusk“, geschrieben als Tribut an Freundschaft. Oder „dirty Mouth“, das mit flotten Gitarren und einem spaßigen, sommerlichen Vibe gefüllt ist. Auf „how to get out of love“ erinnern ihre zarten Schmachter an eine junge Judy Garland; sanfte Echos geben dem Song ein wunderschönes Vintage-Gefühl, das gleichzeitig zeitlos ist. Auf „lover // over the moon“ klingt sie schmerzhaft zerbrechlich, wobei sie an Adrienne Lenker von Big Thief erinnert, als wäre der trällernde Ton ihrer Stimme eine Bitte an ihren Partner, ihr gegenüber zärtlich zu sein.

“Diese Songs tragen wirklich ehrliche Dinge in sich und ich glaube, das Wichtigste an diesem Album ist, dass ich Zugang zu diesem Teil von mir selbst gefunden habe“, sagt Alice. „Es fühlt sich wirklich gut an, ungefiltert aufzutreten.“

Folge Alice Phoebe Lou

Die neustes Releases, die meisten Einblicke:

Releases

Cover: Alice Phoebe Lou - Glow
GlowAlice Phoebe Lou
Cover: Alice Phoebe Lou - Witches
WitchesAlice Phoebe Lou
Cover: Alice Phoebe Lou - Paper Castles
Paper CastlesAlice Phoebe Lou
Cover: Alice Phoebe Lou - She
SheAlice Phoebe Lou
Cover: Alice Phoebe Lou - Orbit
OrbitAlice Phoebe Lou

Videos

Alice Phoebe Lou - Galaxies (feat. Maisie Williams) | Majestic Sessions
Alice Phoebe Lou - Galaxies (feat. Maisie Williams) | Majestic Sessions
Alice Phoebe Lou - SHE (Official Video)
Alice Phoebe Lou - SHE (Official Video)
Alice Phoebe Lou - Dirty Mouth (official video)
Alice Phoebe Lou - Dirty Mouth (official video)
Alice Phoebe Lou - Dusk (official video)
Alice Phoebe Lou - Dusk (official video)

weitere Bilder

Alice Phoebe Lou-additional-0
Alice Phoebe Lou-additional-1
Alice Phoebe Lou-additional-2
Motor Entertainment GmbH
Seelower Str. 5
10439 Berlin
Impressum